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Überraschende Bekenntnisse am Rande einer Gedenktafel-Einweihung
für geschlossene "OvG"
Guericke-Schule soll wieder aufleben. Entscheidung noch in diesem
Jahr.
Von Rainer Schweingel

Für einen der traditionsreichsten, aber verschwundenen
Magdeburger Schulnamen gibt es wieder Hoffnung. Noch in diesem Jahr soll klar
sein, welche Einrichtung in die Fußstapfen des 2007 geschlossenen
Otto-von-Guericke-Gymnasiums tritt und den Schulnamen des großen Stadtvaters
übernimmt. Das wurde am Rande der Einweihung einer Gedenktafel für das
Otto-von-Guericke-Gymnasium bekannt.
Altstadt. Otto von Guericke
(1602-1686) - mit kaum einem anderen ehemaligen Bürgermeister ist die Elbestadt
so fest verbunden wie mit dem Mann, der Magdeburg nach seiner fast vollständigen
Zerstörung im dreißigjährigen Krieg zu Aufschwung verhalf, rund 30 Jahre an der
Stadtspitze stand und sich zudem als Wissenschaftler von Weltrang erwies.
Folgerichtig tragen wichtige Einrichtungen in der Stadt seinen Namen: Die
Universität, die gleichnamige Gesellschaft, eine der wichtigsten Magistralen
durch die Stadt – und bis vor kurzem auch ein Gymnasium.
Verzwickte Sache mit der Namensfrage
Doch das
Otto-von-Guericke-Gymnasium – kurz OvG – fiel der Schulent- oder besser gesagt
Abwicklung zum Opfer. Der dramatische Rückgang der Schülerzahlen besiegelte -
wie für viele andere Schulen auch – das Schicksal, das Schließung hieß. Die
Folge: Es verschwand nicht nur das Gymnasium, sondern mit der Schule auch der
Name des berühmten und verehrten Stadtvaters von der Bildfläche der Magdeburger
Schullandschaft.
Politisch hatte das deshalb ein ganz besondere Dimension, so
dass im Rahmen der Schulplanung seinerzeit vorgeschlagen wurde: Wenn schon nicht
das Gymnasium als Schule gehalten werden kann, dann vielleicht doch der Name?
Doch die Sache war und ist verzwickt. Schließlich tragen die übrigen
Gymnasien bereits eigene Namen – wem also etwas wegnehmen? Das trifft
insbesondere für das Albert-Einstein-Gymnasium zu, das sich zu dieser Frage
bekennen sollte. Die schmucke Einrichtung in Neu-Olvenstedt hatte die Schüler
aus dem Otto-von-Guericke-Gymnasium und dem ebenfalls geschlossenen
Humboldt-Gymnasium aufgenommen und soll nun selbst festlegen, welcher
Namenstradition es folgt: Der eigenen (Albert-Einstein), mit der man sich
verständlicherweise nach mehr als zwölf Jahren stark identifiziert. Oder doch
Humboldt oder Guericke, von denen Schüler und Lehrer dazukamen? Eine
Entscheidung - die die Schulkonferenz aus Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter
bis heute nicht getroffen hat und die man im vergangenen Jahr erst einmal vor
sich her schob, um die Integration der neuen Schüler nicht zu belasten. Nun
aber, so zumindest wusste es Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) am Rande der
Feierstunde für die Gedenktafel für das Guerickegymnasium zu berichten, stünde
eine Entscheidung bevor. Trümper: "In den nächsten Tagen will sich die
Gesamtkonferenz (zuständig für die Namensfrage, der aber der Stadtrat zustimmen
muss) am Einsteingymnasium positionieren. Mein Bauchgefühl sagt aber: Es sieht
für den Namen Otto von Guericke nicht gut aus."
Berufsbildende Schulen stehen bereit
Doch das endgültige
Aus würde eine solche Entscheidung nicht bedeuten, so Trümper. Die noch
namenlosen Berufsbildenden Schulen III am Krökentor (rund 3800 Schüler, größte
BbS in Sachsen-Anhalt) hätten bereits Interesse bekundet, den Namen Otto von
Guericke zu übernehmen und damit in die Tradition des OvG einzutreten. Er
versicherte deshalb den vielen Freunden des Otto-von-Guericke-Gymnasiums, die
der Feierstunde zur Enthüllung der Gedenktafel an einem der ehemaligen
Schulstandorte in der Brandeburger Straße beiwohnten, die Fortsetzung der
Namenstradition. "Ich kann Ihnen nur noch nicht sagen, welche Variante zutreffen
wird", so Trümper.
Die OvG-Freunde nahmen es am Sonnabend mit Erleichterung zur
Kenntnis. Jochen Zeiger, einer der Initiatoren der Gedenktafel: "Das ist doch
besser als gar nichts."
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2008
Dokument erstellt am 27.10.2008 um 06:05:42 Uhr
Erscheinungsdatum
27.10.2008 | Ausgabe: mdx
